Schalldämpfer – Rechtliche Grundlagen beim jagdlichen Einsatz

Schalldämpfer – Rechtliche Grundlagen beim jagdlichen Einsatz

Dämpfer_03Schalldämpfer werden im deutschen Waffenrecht seit 1972 wie folgt behandelt: “Schalldämpfer sind bestimmte Vorrichtungen, die den Mündungsknall wesentlich mindern”. Schalldämpfer gehören wie der Lauf oder Verschluss zu den wesentlichen Teilen einer Schusswaffe und unterliegen daher auch den gleichen gesetzlichen Regelungen im deutschen Waffengesetz. Der Besitz eines Schalldämpfers muss daher auch in die WBK eingetragen werden. Für die Eintragung in die WBK muss einem Bedürfnis gegenüber der Waffenbehörde nachgewiesen werden.

Die Verwendung von Schalldämpfern durch Förster und Berufsjäger

Förster und Berufsjäger sind beruflich verpflichtet die Jagd auszuüben. Für diesen Personenkreis schreibt die LärmVibrationsArbSchV zwingend vor, dass die Reduzierung des Lärms zwingend an der für den Lärm verantwortlichen Stelle erfolgen muss. Im Fall eines Jagdgewehres hat die Reduzierung des Schalldrucks, gemäß der Verordnung, direkt an der Waffe zu erfolgen. Das Bedürfnis für Förster und Berufsjäger leitet sich daher aus der LärmVibrationsArbSchV ab. Die Genehmigungsbehörden erteilen die Genehmigung in diesen Fällen ohne Probleme.

Dämpfer_04Die Verwendung von Schalldämpfern durch normale Jäger

Der Einsatz eines Schalldämpfers wird durch das Bundesjagdgesetz nicht verboten. Die Landesjagdgesetze behandeln den Einsatz von Schalldämpfern nicht einheitlich. In einigen Ländern ist der Schalldämpfer ausdrücklich verboten, in anderen Ländern wird darauf nicht näher eingegangen. Die Erlaubnis einen Schalldämpfer zu besitzen, bedeutet noch lange nicht, dass dieser auch in jedem Bundesland, z.B. im Rahmen einer Jagdreise, eingesetzt werden darf. Bedingt durch die uneinheitliche Rechtslage zwischen den Ländern und Unsicherheit bei der Auslegung der Verordnungen durch die Behörden sind in der Vergangenheit kaum Erlaubnisse für die Erteilung eines Schalldämpfers erteilt worden.

Änderung der Rechtslage bei der Genehmigung von Schalldämpfern

Das Bayerischen Staatsministerium des Innern hat das Bundeskriminalamt angefragt eine Stellungnahme zum Thema „Waffenrecht; Zulassung von Schalldämpfern zur Jagd“ zu verfassen

Nach Prüfung des Sachverhaltes, kam das Bundeskriminalamt BKA zum Ergebnis, dass es keine wichtigen Gründe gibt, die der Genehmigung von Schalldämpfern für die Jagd mit Langwaffen zu verweigern,

 „Aus kriminalistischer Sicht ist davon auszugehen, dass bei einer Lockerung der bisherigen Genehmigungspraxis -bei Vorliegen eines waffenrechtlichen Bedürfnisses- keine negativen Begleiterscheinungen für die öffentliche Sicherheit und Ordnung einhergehen dürften.“
BKA 25.10.2013 – SO/SO 11 101 – 2013-0014079990

Dämpfer_01Folgen des Gutachtens des BKA´s zum Thema Schalldämpfer

Auf Grundlage des Gutachtens des Bundeskriminalamtes hat das bayerische Landwirtschaftsministeriums die unteren und höheren Jagdbehörden angewiesen zukünftig Anträge von Jägern auf Schalldämpfer positiv zu entscheiden. Entscheidend war die Entscheidung, dass die Gesundheit der Jagdausübungsberechtigten höher zu Bewerten sei, als eine eventuelle Gefährdung der öffentlichen Sicherheit. Schalldämpfer wurden nicht generell frei gegeben, eine Eintragung in die WBK ist weiterhin notwendig.

Die bayerische Entscheidung hat dazu geführt, dass auch in anderen Bundesländern die Diskussion über eine Erlaubnis von Schalldämpfern für die Jagd belebt wurde. Derzeit werden in folgenden Bundesländern Anträge auf Schalldämpfern von Jägern positiv beschieden:

  • Bayern
  • Baden-Württemberg,
  • Brandenburg
  • Rheinland-Pfalz

Schalldämpfer – Folgende Punkte müssen auch in Zukunft beachtet werden

  • Die Genehmigung von Schalldämpfern für die Jagdausübung beschränkt sich auf Langwaffen, Kurzwaffen sind davon weiterhin ausgenommen.
  • Vor dem Erwerb eines Schalldämpfers ist unbedingt ein Voreintrag in die WBK Waffenbesitzkarte notwendig.
  • Der alleinige Besitz eines Jagdscheines führt nicht automatisch dazu, dass der Erwerb Schalldämpfers legitimiert ist. Vorsicht beim Ausleihen eines Schalldämpfers zu Testzwecken.
  • Ein Schalldämpfer kann durchaus legal durch die Eintragung in eine WBK besessen werden, dies bedeutet jedoch nicht automatisch, das die Verwendung des Schalldämpfers bei der Jagdausübung in allen anderen Bundesländern erlaubt ist
  • Ein Schalldämpfer ist ebenfalls wie eine Langwaffe oder Kurzwaffe sicher in einem Tresor zu verwahren.

Europäische Hersteller von Schalldämpfern

Die folgende Auflistung von Herstellern in nicht vollständig, orientiert sich jedoch an dem Angebot und Verfügbarkeit auf dem Deutschen Waffenmarkt.

Schalldämpfer Hersteller A-TEC

  • Hersteller aus Norwegen
  • www.a-tec.no
  • Jagdlich relevante Modelle: A-TEC Hertz, A-TEC Megahertz, A-TEC Megahertz+, A-TEC Dragon Suppressor

Schalldämpfer Hersteller ASE UTRA

  • Hersteller aus Finland
  • www.aseutra.fi
  • Jagdlich relevante Modelle: SL5i (klein und kompakt), SL6i (für große Kaliber), SL7i (maximale Dämpfleistung)

Schalldämpfer Hersteller Stalon

  • Hersteller aus Schweden
  • www.stalonsilencer.com
  • Jagdlich relevante Modelle: Stalon W110, Stalon WM110, Stalon W145, Stalon WM145, Stalon Compact

Schalldämpfer Hersteller Roedale

  • Hersteller aus Deutschland
  • www.roedale.de
  • Jagdlich relevante Modelle: Delta Ultralight, Delta Pro X, Hunter 55

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