Vermarktung von Wildbret durch Jäger unter Beachtung des EU-Hygienepaketes

Vermarktung von Wildbret durch Jäger unter Beachtung des EU-Hygienepaketes

Fleich_zerlegtDie Vermarktung von Wildbret gliedert sich für Jäger in 3 Bereiche. Die hierfür gültigen rechtlichen Rahmenbedingungen sind im EU-Hygienepaket sowie in den Nationale Durchführungsverordnungen geregelt.

Primärproduktion

Schwarzwild_Schwarte
Primärerzeugnis

Wird Wild im Federkleid, Decke oder Schwarte an Endverbraucher oder auch an ein örtliches Einzelhandelsunternehmen verkauft, spricht man von im Rahmen des EU-Hygienepaketes von Primärproduktion. Eine Pflicht zur Zulassung oder eine Registrierung ist hierfür seitens des Jägers nicht notwendig. Diese Regelung ist gültig, solange sich die Gaststätten oder Einzelhandelsunternehmen in einem Umkreis von 100 km vom Erlegungsort oder dem Wohnort des Jägers entfernt befinden.

Wird das Wildbret als Primärerzeugnis an ein Wildbearbeitungsbetrieb (Großhandel) verkauft, so muss durch eine kundige Person bestätigt werden, dass zum Erlegungszeitpunkt das Wild kein auffälliges Verhalten gezeigt hat und dass beim Aufbrechen keine bedenklichen Merkmale festgestellt werden konnten. Es ist vorgeschrieben, dass die Rückverfolgbarkeit der Ware gesichert ist.

Wild aus der Decke schlagen oder Zerlegen – Registrierungspflicht als Lebensmittelunternehmer

Fleich_zerlegt
Fleisch zerlegt

Bereits das aus der Decke schlagen, abschwarten oder zerlegen von Wildbret macht es notwendig, dass sich der Jäger als Lebensmittelunternehmer registrieren lässt. Es bestehen erweiterte Anforderungen an die Wildkammer gem. VO (EG) 852/2004 sowie der nationalen Durchführungsverordnung  Tier LMVH (Tierische Lebensmittelhygieneverordnung) Die Vermarktung Regelung deckt die direkte Vermarktung an Endverbraucher und Einzelhandel ab. Die Ware darf jedoch von den Kunden in der Folge nicht an weitere Einzelhandelsunternehmen weiter verkauft werden. Weiterhin ist es dem Jäger erlaubt, das Wildbret an einem Marktstad an Endkunden abzugeben.

Produktion von Wildfleischerzeugnissen – Registrierungspflicht als Einzelhandelsunternehmen

Fleicherzeugnis
Wildfleischerzeugnis

Wird Wildbret durch den Jäger weiter zu Wildfleischerzeugnissen wie z.B. Wurst oder Schinken verarbeitet, ist eine Registrierung als Einzelhandelsunternehmen zwingend notwendig. Die zuvor genannten Hygienebedingungen sind auch hier einzuhalten. Die Wildfleischerzeugnisse müssen am Ort der Produktion an den Endverbraucher verkauft werden. Weiterhin darf ein Jäger, der als Lebensmittelunternehmer registriert ist auch Wildbret anderer Jäger annehmen und verarbeiten. Als müssen auch weitere Regelungen wie z.B. das Gewerberecht beachtet werden.

Wichtig für den Jäger

In allen Fällen, in denen die Vermarktung über die Primärproduktion hinausreicht, ist dem Jäger dringend zu raten sich intensiv mit dem Thema Erweiterte Anforderungen an eine Wildkammer zu beschäftigen und gegebenenfalls entsprechend der VO (EG) 852/2004 nachzubessern. Beim Nachbessern oder Neubau einer Wildkammer sollte die zuständige Behörde, z.B. örtliche Veterinäramt, bereits in der Planungsphase eingebunden werden.  Die Behörden haben gemäß den Verordnungen einen Ermessensspielraum. Dieser Handlungsspielraum berücksichtigt insbesondere die Menge des anfallenden Wildes in der Wildkammer. Wer glaubhaft versichert, dass sich die Zerlegung von Wildbret auf kleine Mengen beschränkt, kann auf ein Entgegenkommen der Genehmigungsbehörden bei der Umsetzung der Verordnung hoffen. Kleine Mengen beschreibt erlegtes Wild einer Tagesstrecke.

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